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Hering angeln in Hvide Sande

Datum: April 19, 2009 05:33:21 PM

Der Ringköbing Fjord in Dänemark ist ein ideales Laichgewässer für Heringe.

Die Fische leben in der Nordsee und wandern zum Ablaichen in riesigen Schwärmen in den Fjord.
Am Ringköbing Fjord gibt es zwei unabhängige Heringsstämme, mit unterschiedlichen Laichzeiten. Die einen wandern um den April herum, wohingegen der andere Stamm erst im Oktober zieht. Der zweite Stamm soll noch noch fetter abwachsen, als die Aprilheringe.

 

Optimale Bedingunge  für das Heringsangeln

Das bemerkenswerte am Ringköbing Fjord ist, daß der Fjord durch einen schmalen Dünenstreifen - das Holmsland Klit- weitestgehend vom Meer abgeschottet ist und der einzige Zugang zum Fjord durch die Wehranlage in Hvide Sande führt. So kommt es, daß zweimal im Jahr Millionen von Heringen durch diesen schmalen Zugang wandern. Hier können die Heringe direkt vom Ufer aus beangelt werden, was Jahr für Jahr Hunderte von Anglern in den kleinen Ort lockt, der diesem Spektakel sogar ein eigenes Festival gewidmet hat, das Heringsfestival von Hvide Sande.

Wir hatten schon viel über dieses interessante Angelrevier gelesen und wollten uns selbst einen Eindruck verschaffen. Also verbrachten die Osterferien 2009 mit unseren Familien vor Ort.

Die Montage für das Heringsangeln

Heringe sind reine Planktonfresser und deshalb nicht mit den gängigen Angelködern zu überlisten.
Statt dessen kommen so genannte Heringspaternoster zum Einsatz. Das sind Vorfächer, an denen 5 bis 7 Seitenarme angebracht mit Einfachhaken angebracht sind. Die Haken sind mit einem Stück reflektierender Folie, sowie einer kleinen Perle bestückt, die dem Beuteschema der Heringe angepasst sind. Nach unseren Erfahrungen sind Vorfächer mit kleinen Perlen fängiger als große und Vorfächer, die anstatt der Folie mit echter Fischhaut ausgerüstet sind sind ebenfalls im Vorteil. Dies gilt insbesondere in Zeiten, in denen wenige Heringe vorhanden sind. Ist gerade ein großer Schwarm in Wurfweite, fängt eigentlich jedes preiswerte Heringsvorfach.

Am Ende des Vorfachs wird ein spezielles Heringsblei angebracht. Dieses kann zwischen 40g und 80g wiegen. Das Heringsblei ist seitlich stark abgeflacht und verhakt sich deshalb nicht ganz so leicht in der Packlage.
Wer als Beifang auf den einen oder anderen Dorsch hofft, der unterhalb der Heringsschwärme lauert, kann das Heringsblei auch durch einen kleinen Pilker ersetzen. Aufgrund der Hängergefahr in Hvide Sande haben wir diese Option allerdings nicht ausprobiert.

Wir haben festgestellt, daß die Vorfächer und die Heringsbleie vor Ort gut das doppelte kosten, wie bei uns. Es lohnt sich also, bereits im Vorfeld einen entsprechenden Vorat zu besorgen.

Die Rute sollte ca. 3 Meter lang sein und im Wurfgewicht an das verwendete Blei angepasst sein.
Es werden üblicherweise Stationärrollen verwendet, die hinsichtlich Lagerung und Übersetzungsverhältnis für das auch für das Spinnfischen verwendbar sind. Wir haben nicht zuletzt wegen der Hängergefahr monofile Angelschnüre zwischen 0,25 mm und 0,35 mm gefischt.

Bei der Auswahl des Materials sollte berücksichtigt werden, daß das Angeln sowohl auf der Steinpackung, wie auch von der Mole aus, das Material gehörig strapaziert, da man keine schonende Ablagemöglichkeit hat. Hinzu kommt, daß die Angler hier sehr dicht stehen und man immer mal einem Tölpel begegnet, der ohne Rücksicht über die abgelegten Ruten stolpert. Dem Rat mancher Angelkollegen, hier nur das älteste Material ans Wasser zu nehmen, können wir uns trotzdem nicht ganz anschließen, denn schlecht gelagerte Rollen können bei dem erforderlichen Kurbelpensum schnell den Spaß verderben. Die Ruten dürfen natürlich alt und verkratzt sein, sollten aber keine funktionalen Defekte, wie verschlissene, aufgerauhte Rutenringe aufweisen.
Hier muß jeder sinen persönlichen Kompromiss zwischen Risiko und Funktion finden.

Angelschein in Dänemark

Der Angelschein in Dänemark heißt Fisketegn und gilt für sämtliche dänischen Küstengewässer und damit auch im Fjord. Es gibt Tages-, Wochen- und Jahreskarten und ist ein sehr erschwingliches Vergnügen.
Man bekommt ihn ohne eine Prüfung nachzuweisen in fast allen Touristeninformationen, bei Angelhändlern, oder direkt online, z.B. unter der Adresse www.fisketegn.dk/fisketegn/common/frontPageShow.jsp. Kinder/ Jugendliche bis 18 Jahre, sowie Personen ab 65 Jahren benötigen keinen Angelschein.
 
Angelplätze
 
Heringsangeln in Hvide Sande - Im Hintergrund das Wehr mit dem Brückenkopf, im Vordergrund die SteinpackungDie besten Fangaussichten hat man direkt vor den Wehranlagen, da diese nicht immer geöffnet sind und sich die ziehenden Fische deshalb hier stauen. Da das Angeln von der Brücke aus verboten ist, sind die begehrtesten Plätze die, direkt an de Brückenenden. Lobend zu erwähnen ist, daß Teile der Brückenköpfe sogar Rollstuhlgerecht ausgebaut sind, sodaß auch gehbehinderte Angler gute Bedingungen vorfinden.
Auch die Steinpackungen, die sich an die Brückenköpfe anschließen bieten ausgezeichnete Standplätze. Die Fischdichte nimmt zwar mit dem Abstand  zum Wehr etwas ab, gleichzeitig nimmt aber auch die Anglerdichte ab. Da es sich bei den meistens doch recht weiten Würfen nicht vermeiden läßt, daß sich Schnüre überkreuzen wird man in den Aussenbereichen mit erheblich ungestörterem Angeln entschädigt.
 
Angeltechnik
 
Zunächst einmal ist es wichtig, herauszufinden, wo die Heringe stehen. Insbesondere an den weniger guten Tagen, oder an den Tagen zu Beginn und Ende der Heringswanderung ist dies das Mittelwasser, sodaß weite Würfe die Fangaussichten maßgeblich fördern. Die Bisse erfolgen meistens in der Absinkphase der Montage. Es empfielt sich, die Schnur beim Absinken leicht gestrafft zu halten, dann spürt man die einzelnen Bisse sehr gut und merkt auch, wenn das Blei den Grund erreicht hat. Spürt man die ersten Bisse, ist Ruhe bewahren angesagt. Die Fische haken sich normalerweise selbst und unnötige Anhiebe führen entweder dazu, daß die anderen Fische verschreckt werden, oder daß diese unwaidmännisch von aussen gehakt werden. Erst wenn die Montage sicher den Grund erreicht hat, kann man einen Anhieb setzen um Wackelkandidaten am Aussteigen zu hindern.
Hat man weit genug ausgeworfen, ist die Gefahr von Hängern relativ gering. Dann lohnt es sich auch, die Montage mit ein paar beherzten Kurbelbewegungen noch einmal anzuheben und erneut absinken zu lassen. Spätestens sobald der Rand der Steinpackungen erreicht ist, sollte die Montage dann aber zügig einngeholt werden um Hänger zu vermeiden.
 
An einigermaßen guten Tagen hat man bei dieser Vorgehensweise fast immer einen Fisch am Haken. 2,3,4 oder noch mehr Fische sind durchaus keine Seltenheit, wobei mit steigender Fischzahl die Warscheinlichkeit, daß sich der eine oder andere Fisch bei der Landung noch verabschiedet steigt.
 
Es gibt auch Tage, an denen die Heringe im äusseren Hafenbereich bis dicht an die Kaimauer drängen. Da vor der Kaimauer keine Hängergefahr besteht, konnten wir hier mit kurzen Würfen ebenfalls gute Erfolge erzielen. War die Montage am Grund angekommen, wurde sie einfach noch mal angehoben und erneut absinken gelassen. Insbesondere unsere Kinder, die noch nicht so weit und präzise werfen, fanden hier ideale Übungsbedingungen und  verzeichneten dabei gute Anfangserfolge.
 
Fangerfolge
 
Heringe am Paternoster - Doubletten und Drillinge sind an guten Tagen keine SeltenheitIm Vorfeld hatten wir gelesen, daß es in Hvide Sande zu Spitzenzeiten möglich ist, pro Stunde bis zu 80 Heringe zu landen. Wir haben es in diesem Urlaub nicht auf Rekorde angelegt, vielmehr stand für uns der Familienurlaub im Vordergrund und so stand zum Angeln auch nur ein Teil unserer Zeit zur Verfügung. Teils waren die Fangergebnisse recht gut, aber es gab auch absolute Flauten, von denen man sich nicht entmutigen lassen darf. Man muß sich halt immer vor Augen führen, daß Heringe echte Schwarmfische sind und wenn gerade kein Schwarm vorbeizieht, tut sich halt nichts.

An unserem letzten Angeltag wurde dies noch einmal sehr deutlich belegt. Nach ein paar Stunden Angelzeit, hatten wir gerade mal ein knappes Dutzend Fische im Eimer und waren gedanklich schon fast am Einpacken, als der ersehnte Schwarm eintraf. Mit 3 Anglern haben wir dann innerhalb einer Stunde ca. 130 Heringe gefangen und wenn wir berücksichtigen, daß die Fische bei uns grundsätzlich Waidmännisch getötet wurden und nicht, wie teilweise zu sehen, einfach lebend in den Eimer geschmissen, dann scheinen die eingangs erwähnten 80 Heringe pro Stunde nicht mehr so utopisch, wie Sie uns anfangs vorkamen.
 
Nach diesen Erlebnissen können wir das Heringsangeln in Hvide Sande nur empfehlen. Auch Gelegenheitsangler, die schwerpunktmässig Familienurlaub suchen, werden hier mit relativ wenig Zeitaufwand respektable Erfolge erzielen.
 
Erlebnisse am Rande
 
Heringsangeln mit der ganzen Familie - Ein Schauspiel, das auch dem Dänischen Fernsehen einen Bericht wert warWie bereits erwähnt, lag der Schwerpunkt unseres Urlaubs nicht auf dem Angeln. Trotzdem nahmen unsere Familien natürlich auch rege an unseren Angelerlebnissen Anteil. So ergab es sich, daß unsere Kinder insbesondere am ersten Tag mit Feuereifer bei der Sache waren. Entweder liessen sie sich von uns das Auswerfen der Angel zeigen, oder sie machten sich mit Begeisterung bei der Versorgung der gefangenen Fische nützlich. Die anfängliche Scheu vor den glitschigen Fischen wurde sehr schnell vom Jagdinstinkt verdrängt. So ergab es sich, daß sich unsere kleine Gruppe wohl deutlich von de anderen Anglern abhob. Ein Team des Dänischen Fernsehens wurde auf uns aufmerksam und filmte das bunte Familienidyll. Anschließend wurden wir dann auch noch Interviewed und sollten erzählen, wie uns das Angeln in Hvide Sande gefällt und wie wir darauf aufmerksam geworden waren.
Im Dänischen Fernsehen zu landen war natürlich ein absoluter Höhepunkt. Schade ist nur, daß wir den Sender in unserem Ferienhaus nicht gefunden haben und den Beitrag deshalb verpasst haben.